Über mich...

About me...

Mein Name ist Björn Biel und seit meinem 19 Lebensjahr bin ich psychisch krank. Mit den folgenden Schilderungen möchte ich ganz offen umgehen und meinen privaten und beruflichen Werdegang darstellen. Zum einen um andere Mitpatienten zu ermutigen, aber auch um etwaige Stigmata darzustellen. Denn neben der Krankheit leidet man als psychisch kranker auch gesellschaftlich.

Die psychischen Belastungen haben in unserer heutigen Gesellschaft zugenommen. nach nunmehr 27 Jahren Erfahrung habe ich gemerkt wie gut wir es doch hier in der 1. Welt haben: Wir werden mit guten Medikamenten versorgt. Als ich 2001 eine Japanreise mit einer Gruppe aus Karateka unternahm entwickelte ich eine Psychose. Ich konnte nicht mehr schlafen und nach etwa einer Woche Schlafentzug in Japan folgte eine weitere Woche Beachurlaub an der Ostküste von Malaysia in Kuantan. Reizüberflutung und Schlafmangel sorgten für Gefühle die sich in unserer heutigen Gesellschaft Leute mit Drogen verschaffen. Ich habe nie Drogen genommen und gehe nun sehr verantwortungsvoll mit den mir zur Verfügung gestellten Medikamenten um. Dennoch lerne ich immer wieder Mitpatienten kennen, die zum "Bodensatz" unserer Gesellschaft gehören. Mal drücke ich ihnen ein Päckchen Tabak in die Hand verschenke Zigaretten und wenn ich auf der Straße Obdachlosen begegne stecke ich ihnen gern etwas essen zu. Ich bin ein Christ und ich weiß, dass der liebe Gott einem alles nehmen kann wenn er will. Das Geld, den Job , den Beamtenstatus, das eigene Kind oder auch die geliebte Ehefrau. Ich toleriere alle Mitpatienten !  Ich musste mir meine Ziele hart erarbeiten.

Ich machte einen schwarzen Gürtel im Karate, wurde im Goju Ryu Karate Nationalteam der Bundesrepublik aufgenommen und erfüllte meine Eltern mit Stolz als ich 2000 Doppellandesmeister im Kumite und in der Kata Disziplin wurde. Ich durfte Feuerwehrmann bei der Bundeswehr werden. Seit meinem 11. Lebensjahr war ich bei der Jungendfeuerwehr Glücksburg. Mit 19 dann machte ich eine Beamtenausbildung in meiner Heimatstadt Glücksburg, wo ich eine sehr glückliche Kindheit hatte, obwohl ich eigentlich ein "Arschlochkind" war. ADHS gab es noch nicht. Wenn mein Vater von See kam war der Umgang sehr rau. Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich. Leider entwickelte ich bei meiner ersten Ausbildung einen schizophrenen Schub. Ich wurde 1991 mit Haloperidol behandelt welches massive Nebenwirkungen hatte. In meiner Heimatstadt Glücksburg munkelte man ich sei rauschgiftsüchtig. Beim Karate wurde ich vom grünen Gürtel zum orangenen Gürtel degradiert. Bei der Feuerwehr wurde mir freundlich durch die Blume gesagt, dass ich mal lieber kein Atemschutzgeräteträger werden-und in brennende Häuser gehen soll. Kurzum: Ich wurde stigmatisiert wo es irgend ging. Meine Eltern behüteten mich und pflegten mich daheim mit ziemlich schlimmen Medikamenten. Mir war meine Erkrankung peinlich. Ich quittierte meinen Job bei der Stadt Glücksburg und lernte Elektroinstallateur bei Adolf Erichsen in Glücksburg. Ich brauchte ein Jahr länger als die anderen Lehrlinge, weil ich einen Rückfall bekam. Ich war dem Stress in der Berufsschule einfach nicht gewachsen, denn es gab da einen Lehrer der sehr streng war und dessen Sohn ist mittlerweile ein sehr guter Freund von mir. Auch er hatte es nicht leicht und kämpft heute noch mit seiner Kindheit. Irgendwann jedoch machte ich meine Lehre zu Ende und dann war da diese Anzeige in der Zeitung: Bundeswehr sucht Beamte für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Ich bewarb mich und von über 900 Bewerbern auf 6 Stellen bekam ich nach 1 1/2 Jahren(!) einen Anruf, dass ich angenommen werde und eine Laufbahnausbildung im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst anfangen könne. Ich durfte meinen Traumberuf ausüben, schloss meine Laufbahnprüfung mit der Note "gut" ab, verdiente gutes Geld und erfüllte mir meine Träume: Tolles Auto, große Wohnung, tolles Motorrad! Nun schlage ich die Brücke zurück; Japan 2001: Nach Jahren ohne Medikation, aber mit ganz viel Leistungssport geriet ich nun auf einem Interkontinentalflug so sehr in die Psychose, sodass ich an Bord auf der Flugzeugtoilette rauchte und untergründig aggressives Verhalten an den Tag legte, sodass der Flugkapitän in Dubai zwischenlanden wollte um mich rauszuwerfen. Meine Karatemeister Fritz Nöpel hatte noch Zugang zu mir  und überzeugte den Flugkapitän davon -nicht zwischenzulanden. Schließlich seien 25 Karatemeister an Bord die mich kontrollieren konnten. In Amsterdam wurde ich in Haft genommen....die 5 Polizisten die mich festnahmen gingen nicht gerade zimperlich mit mir um, denn es war ja erst 6 Wochen nach dem schlimmsten Tag, der die Welt veränderte. Meine besorgten Eltern holten mich zusammen mit meinem Schwager aus Hamburg in Amsterdam vom Flughafen ab. Man hatte mir sämtliche Körperflüssigheiten aus dem Körper geprügelt, meine Kleidung war durchnässt und so fuhr ich nackt, nur in einem Papieranzug bekleidet-medikamentös unbehandelt- nach Glücksburg zu meinen Eltern von wo aus man mich in die Psychiatrie ins Landeskrankenhaus Schleswig fuhr.  Im Landeskrankenhaus gab man mir ein Medikament namens Risperdal....seinerzeit das neueste Neuroleptikum auf dem Markt. Und schon nach kurzer Zeit konnte ich die Klinik verlassen. Dieses Medikament ist heutzutage logischerweise schon wieder veraltet.- Ich machte klassische Fehler. Ich setzte es wegen der Nebenwirkungen (z.B. Gewichtszunahme) ab und erkrankte postwendend wieder sehr schwer.

Ich wurde wieder mit der Polizei in die Klinik gebracht und "gesundete". Leider war nun aber kein Schichtdienst mehr möglich, denn mit dieser Erkrankung braucht man Struktur und SCHLAF! Die Bundeswehr überlegte sich dann etwas anderes für mich: Ich durfte in Mannheim eine Beamtenlaufbahn im mittleren technischen Dienst machen. Als fauler Schüler mit mäßigem Realschulabschluss hatte ich eine große Herausforderung zu bewältigen und fand mich mich Studienabbrechern und fachhochschülern im Hörsaal wieder, die in Mathe und naturwissenschaftlichen Fächern bessere Ausbildungen genossen hatten als ich. nach einem halben Jahr des Büffelns legte ich die Laufbahnprüfung mit der Note 4 ab, was ausreichte um im mittleren technischen Dienst der Bundeswehr verwendet zu werden. Der Liebe wegen zog ich danach ins Rheinland, (meine damalige Lebensgefährtin, die ich während der Feuerwehrlaufbahnausbildung kennenlernte, überwarf sich mit meinen Elternbund wollte partout nicht in den Norden ziehen), also ließ ich meine Karateschüler in Munkbrarup hinter mich und bekam einen Bürojob, wo ich erstmalig mit Computern konfrontiert wurde und zwar dienstlich. Der Job gefiel mir. Doch dann kam der nächste Schicksalsschlag. Ein Vertrauensarzt der mich vor Ablauf der 3 jährigen Probezeit untersuchte sagte mir, ich könne mit dieser Krankheit gar nicht verbeamtet werden. Er sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, denn man könnte mich auch als Arbeitnehmer bei der Bundeswehr arbeiten lassen.-natürlich zu schlechteren Konditionen! Ich wurde zum ersten des nächsten Monats aber aus dem Dienst entlassen!!!-Wogegen ich mit einem Top Anwalt aus Bonn Bad Godesberg ( Herrn Doktor Baden) gegen an ging. Ich hatte gute Chancen diesen Prozess zu gewinnen jedoch nahm ich das Angebot meines Dienstherrn an, als Arbeitnehmer unbefristet dabeibleiben zu können. Ein sicherer Job, besser als Hartz IV. Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, dachte ich mir.  Dann bekam ich eine neue Chefin die es sehr gut mit mir meinte. Frau G., Technische Regierungsoberamtsrätin ihres Zeichens sprach mir gut zu und förderte mich. Ich war zu dieser Zeit vollwertiges Mitglied bei der freiwilligen Feuerwehr in Hennef....-auch als Atemschutzgeräteträger! Bei der Bundeswehr ist vieles anders als in der freien Wirtschaft. Der Verwaltungsapparat ist starr und langsam mahlen diese Mühlen! Aber ich fing an zu beten. Fr. G. und ihr Mann, der im BMVG arbeitete, halfen mir zurück in meine geliebte Heimat zu kommen. Über Umwege gelangte ich vom Bundeswehrdienstleistungszentrum Plön zum Ubootgeschwader nach Eckernförde wo ich die schönste und interessanteste Dienstzeit hatte. Schließlich wurde nun mein damaliger Beamtendienstposten den ich als Arbeitnehmer bekleidete hochdotiert und als Arbeitnehmer hatte ich schlechte Chancen im Ubootgeschwader  zu bleiben, da vornehmlich Beamte auf solchartige Posten gesetzt werden. Beamte sind doch mitunter besser gestellt, was in meinen Augen ungerechtfertigt ist. Ich versuchte immer wieder Beamter zu werden doch die Vertrauensärztin der Bundeswehr setzte immer wieder Maßstäbe an die nicht haltbar waren. Mittlerweile war ich in der Gewerkschaft, dem Verband der Arbeitnehmer der Bundeswehr organisiert und engagierte mich als Standortgruppenvositzender in der Standortgruppe Holsteinische Schweiz. Ich nahm sicherheitshalber immer schön mein Risperdal als Depotspritze, alle 14 Tage) und heiratete eine Rheinländerin. Die Ehe zerbrach jedoch nach 1 1/2 Jahren Wochenendehe! Karneval macht vieles möglich!

 

Lirum Larum....ich klagte gegen die Bundeswehr!!  Dank meiner Gewerkschaft, dem VAB (Verband der Arbeitnehmer der Bundeswehr)  bekam ich Rechtsbeistand. meine teure private Rechtsschutzversicherung wollte den Fall nicht übernehmen, es ging ja schließlich "ein neu zugbegründendes Arbeitsverhältnis"! Vor Gericht versprach mir die Gegenseite, dass man mich verbeamtet, wenn denn ein externer Arzt mich für beamtentauglich hielte. Und dies geschah, weil ich mich auf meine Erkrankung spezialisiert habe und "complient"(kontrolliert/und verantwortungsbewußt war.

In den 3 Jahren, die dieser Prozess andauerte, (denn auch die Mühlen von Verwaltungsgerichten mahlen ja langsam) betete ich viel und musste 2015 mit ansehen wie mein geliebtester Mensch an Bauchspeicheldrüsenkrebs zugrunde ging: Meine Mutter verstarb im  Juli, während ich kriseninterventionsmäßig in der Psychiatrie aufgenommen worden war, in einem Pflegebett in meinem früheren Kinderzimmer. Sie hatte keine Schmerzen und durfte zu Hause im Beisein meines Vaters gehen, aber als diese Diagnose im Februar des Jahres bekannt wurde brach für mich die ganze Welt erneut zusammen. Darum spendete ich die letzten Jahre Geld an krebskranke Kinder und Jugendliche. Und im letzten Jahr an einen Schulfreund der zufällig Ubootfahrer war. Ich lernte meinen Job als Fachkraft für Arbeitssicherheit im 47 km entfernten Husum zu lieben, obwohl ich bedingt durch Standortschließungen einen Bereich abdeckte den vorher 3(!) Beamte erledigten, denn das Bundeswehr Dienstleistungszentrum Flensburg und Itzehoe fielen der Strukturreform zum Opfer. 

Ich traute mich etwas: Ich beklagte mich schriftlich bei unserer Verteidigungsministerin darüber dass man mir gegenüber vor Gericht etwas versprochen hatte, was man nicht einhielt, (nämlich nach der ersten Instanz zu meinen Gunsten mich zu verbeamten) und bekam sogar eine Antwort! Ich wurde verbeamtet. Meine Mutter, Gott hab sie selig, wäre sicher stolz auf mich gewesen.-Und Jetzt bin ich Beamter auf Lebenszeit, was mich sehr freut. 

 

JAPAN hat mich nie losgelassen! Ich träume davon mit meiner neuen Lebensgefährtin die 3 Kinder hat und selbst auch weiß wie eine Psychiatrie von innen aussieht einmal zur Kischblühte nach Japan zu fliegen und mich dort umzusehen wo mein Opa im Krieg gewesen ist. Ich habe seit 3 Jahren eine Einladung offen stehen. Ich habe so viele wundervolle Menschen kennengelernt ob Küchenhilfskräfte der Bundeswehr bishin zu Kommandeuren im Ubootgeschader, aber auch sehr interessante Mitpatienten während meiner Zeit in den Kliniken. 

 

Was ich nun abschließend zu Ausdruck bringen möchte ist:

Wir psychisch kranken Menschen sitzen im selben Boot, ganz gleich welche Art der Diagnose vorliegt. Unsere heutige Gesellschaft ist sehr schnelllebig. Leistungsdruck und psychische Belastungen nehmen immer weiter zu. Ich bin nun seit 20 Jahren bei der Bundeswehr, -einem der besten Arbeitgeber Deutschlands, der diese Welt ein Stück weit sicherer macht. Ich habe meinen Job gut gemacht. Und das tun die meisten (leider nicht alle!) in dieser Bundeswehr.- und nicht nur dort-, sondern auch in der Diakonissenanstalt Flensburg und in den vielen anderen Einrichtungen wo Menschen (und vor Allem auch auch alte Menschen) gepflegt werden. Nur leider wird unsere Gesellschaft immer billiger,-Geiz ist geil und Personaleinsparungen etc. sorgen z.T. für unhaltbare Zustände.

 

Nach nunmehr 27 Jahren stellte sich nun der Verdacht heraus, dass ich nicht schizophren, sondern Manisch Depressiv bin "Bipolare Persönlichkeitsstörung heißt das im derzeitigen Fachjargon! Diagnosen sind Worte auf einem Blatt Papier. Ich nehme es niemanden übel, dass ich nun nicht ganz richtig behandelt worden bin, im Gegenteil: Ich richtige meinen Blick nach vorn und versuche im hier und jetzt zu leben wie meine Ärzte, Sozialarbeiter und Therapeuten es mir immer wieder verklickert haben. Ich bekomme nun ein neues Medikament namens Abilify und bin gespannt wie es sich damit leben wird.

 

Ich werde Euch/Sie weiter auf dem Laufenden halten wie es mit mir weitergeht. Unter dem Reiter Meine bunte Welt werde Ich hin-und wieder ein paar Bilder mit Eindrücken einstellen.

 

Viel Spaß auf dieser Webseite!

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Hier nochmal die Frau an meiner Seite, mein Lieblingsmensch Julia. Danke dass es Dich gibt. Danke für die tolle Zeit, Danke für die vielen guten Ratschläge und die vielen tollen Stunden, Tage, Nächte die wir seit Oktober 2019 miteinander verbringen durften. <3